František Chochola
Mi 17.09.25 — 19.00

František Chochola

THE YARD GalleryTheYard Gallery

Programm

17. Sept — 19. Oktober 2025

Vernissage Mittwoch 17. September 19 Uhr

Öffnungszeiten
Geöffnet Mi—So 15—19 Uhr


Playful Icons

In der Ausstellung „Playful Icons“ zeigt die THE YARD Gallery eine weitere Facette der künstlerischen Arbeit von František Chochola. Anders als seine Bronzeskulpturen, die stark biografisch beeinflusst sind, ist die Auswahl bemalter Holzskulpturen geprägt von seiner spielerischen Intuition. Mit kräftigen Farben, klaren Formen und Humor zeigen diese Werke eine ganz eigene Handschrift in der europäischen Nachkriegskunst. Sie wirken naiv, spielerisch und kraftvoll — und doch steckt in ihnen eine tiefe Ernsthaftigkeit. Friedrich Schiller prägte in seinen Briefen „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ den Satz: „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Für Schiller ist das Spiel kein bloßer Zeitvertreib, sondern ein Zustand echter Freiheit. Im Spiel entfaltet sich der Mensch ganz — körperlich, seelisch und geistig. In der Kunst eröffnet das Spiel neue Räume für Kreativität, kindliche Freude und Offenheit. Und genau das lebte in František Chochola bei der Entstehung seiner Holzskulpturen.

Chocholas Skulpturen sind reduziert, minimalistisch und doch voller Ausdruck. Mit einfachen Mitteln — Köpfen, Körpern, Symbolen — schafft er eine universelle Bildsprache, die an die Pop-Art erinnert. Wie Spielzeuge wirken seine umgekippten Stühle, kleinen Dreiräder mit Segel, der Kopf mit eingeschlagenen Nägeln als Haartracht, Monumentalbauten oder wie Wegweiser anmutende Zeichen. Fast alle Skulpturen sind bemalt mit starken Farben wie Rot, Blau, Grün, Silber und Gold. Dabei sind die Farben kein Schmuck, sondern geben den Figuren emotionale Tiefe und symbolische Kraft. Der Titel „Playful Icons“ bringt diese Spannung auf den Punkt: Das Spielerische steht für Experimentierfreude und die Lust am Gestalten. Das Ikonische verweist auf tiefere Bedeutungen, die sich in den Formen manifestieren. Chochola war kein Konzeptkünstler im akademischen Sinne. Seine Objekte vereinen eher Humor mit existenzieller Ernsthaftigkeit — was seine Skulpturen einzigartig macht.

Kunsthistorisch bewegen sich Chocholas Werke zwischen Symbolismus und moderner Abstraktion. Die Formen erinnern teils an Maschinenästhetik, teils an geometrische Strukturen wie im Bauhaus oder in der konkreten Kunst. Auch zum Minimalismus gibt es Bezüge: Dort geht es um Klarheit, einfache Formen und Logik. Die Kunst soll für sich stehen — ohne persönliche Handschrift. Chocholas Werke hingegen bleiben individuell: klar in der Form, aber immer verbunden mit seiner persönlichen, spielerischen Perspektive.

Als Gegenentwurf zu den klaren Formen wird sein Bilder-Zyklus „Evolution — Die Entstehung der Welt“ gezeigt. Mit starken Farben und kräftigen Strichen malt Chochola das Aufbrechen und Zerfurchen von Ur-Materie durch die Elemente. Feuer, Wasser, Luft und Erde wollen sich zu Neuem formen, zu einer neuen Welt. Wie bei seinen Holzskulpturen ist auch hier das freie Spiel die Grundgeste seiner Malerei, die sich in seinen abstrakten Bildern zu einer neuen Welt wandeln.

„Playful Icons“ zeigt eine Kunst, die sich nicht festlegen lässt. Sie bleibt offen, lebendig und menschlich. Die Ausstellung von František Chochola lädt ein, mit eigenen Augen zu entdecken, was entstehen kann, wenn man Holz, Farbe und Fantasie freien Lauf lässt — ganz im Sinne Schillers: „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“

Sie sind herzlich eingeladen und wir freuen uns auf Ihren Besuch.

— Das THE YARD Team



VITA

František Chochola wurde am 15. April 1943 in Kolín, Tschechien, geboren. Sein Vater, ein Unternehmer, starb 1945 und ließ die Familie in schwierigen wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen zurück. Die Machtübernahme der Kommunisten 1948 führte zu Enteignung und politischer Drangsalierung.

Das angestrebte Studium an der Prager Kunstakademie wurde František Chochola aus politischen Gründen versagt. Nach Abschluss seines Studiums der Gartenplastik an der Kunst- und Gewerbeschule in Bechyně/Tabor im Jahr 1963 sowie der Ableistung seines Wehrdienstes arbeitete Chochola als Fabrikarbeiter, Kulissenbauer für das Theater und Restaurator im Museum Kolín.

Als der Prager Frühling 1968 durch den Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes sein gewaltsames Ende fand, schlug sich František Chochola als freier Künstler in Kolín und Prag durch, entwarf Medaillen und illustrierte Bücher. Aufgrund seiner Aktivitäten während des Prager Frühlings sowie seiner oppositionellen Haltung wurde er Anfang der 1970er Jahre durch zunehmenden politischen Druck zur Migration nach Deutschland gezwungen. Er ließ sich in Hamburg nieder. Erst 1992 wurde Chochola deutscher Staatsbürger. Auch in Deutschland etablierte er sich mit Buchillustrationen für namhafte Verlage sowie mit Entwürfen von Münzen und Medaillen für staatliche und private Auftraggeber, durch die er als freischaffender Künstler größere Bekanntheit erlangte. Die Gestaltung zahlreicher Münzen stammt aus seiner Hand; u.a. verantwortete er die 10-Euro-Gedenkmünzen für Franz Kafka (2008), für die Documenta (2002), die Gorch Fock (2008) und zum 250. Geburtstag von J. W. von Goethe (1999). Insgesamt wurden Chochola bei Gedenkmünzen-Wettbewerben zehn 1. Preise sowie zehn weitere Preise zuerkannt. Alle Arbeiten entstanden in seinem Atelier in Hamburg-Alsterdorf. František Chochola starb mit 79 Jahren in Hamburg. Er wurde auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt.


KONATKT
Jo Kühmstedt
mail@theyard.gallery


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